Autor:
Asprion, Peter
Titel: Gefährliche Freiheit? Das Ende der Sicherungsverwahrung
Verlag: Herder
Erschienen: 12. Januar 2012
ISBN 10: 345130533X
ISBN 13: 978-3451305337
Seitenanzahl: 200
Inhalt:
Das Urteil des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und die Entlassung einiger für gefährlich gehaltener Straftäter haben Ängste ausgelöst. Ein absoluter Schutz vor Rückfällen scheint ebenso unmöglich wie eine langfristige lückenlose Überwachung der Entlassenen. ... Der Bewährungshelfer und Supervisor Peter Asprion berichtet vom schwierigen Weg zurück in die Freiheit. (Auszug Klappentext)
Meinung:
Wenn man mittlerweile das Wort „Sicherungsverwahrung“ hört, sind die großen Schlagzeilen einer großen Zeitung im Kopf, die alles tut nur keine sinnvolle Diskussion führt. Die Sicherungsverwahrung geistert als Schreckgespenst in den Köpfen herum. Gefährliche Täter, die die Sicherheit gefährden.
Peter Asprion arbeitet in der Bewährungshilfe und hat das gut 200seitige Buch im Herder Verlag herausgebracht.
Anhand von zwei Beispielfällen stellt er heraus, was es heißt ein Ex-Verwahrter zu sein und wie die Möglichkeiten bestehen sich in die Gesellschaft zurückzufinden. Beide Männer sind über ihre Zeit hinaus in Sicherungsverwahrung geblieben, d.h. beide wurden nach den Rechtsordnungen, die zum Zeitpunkt ihrer Verurteilung gültig waren, verurteilt; nach einer Gesetzesänderung jedoch nachträglich in sicherungsverwahrt. Dies hat 2009 der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte als Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention gewertet.
Asprion stellt die Fälle und Lebensgeschichte der Männer dar. Er beschönigt dabei nichts, zeigt aber auch auf, wie sehr sich Menschen im Gewirr von Justizvollzugsanstalten verlieren können. Auch die geschichtliche Entwicklung der Sicherungsverwahrung und Statistiken werden dar- und vorgestellt, so dass sich ein rundes Bild über den Themenkomplex ergibt.
Es zieht sich durch das Buch, dass Knast nicht die richtige Strafe sein kann, dass die Sicherungsverwahrung am besten funktionieren würde, wenn es sie gar nicht gäbe.
Die Ex-Verwahrten sehen sich auch noch ein Jahr später einer 24stündigen Polizeiüberwachung gegenüber, die ein normales Leben unmöglich macht. Denn Arbeit und Freizeit mit der Polizei ist nicht gerade dazu geeignet Freundschaften/Bekanntschaften zu knüpfen. Das ist wird auch deutlich in den kurzen Gesprächen mit den Polizeibeamten, die den Sinn ebenfalls teilweise in Frage stellen.
Asprion Buch kann ein Ansatz sein über Sicherungsverwahrung zu diskutieren und seine eigene Einstellung zu überdenken, zu vertiefen.